Altar von Schloss Tirol
ein Forschungsprojekt

Der Altar von Schloss Tirol ist in mehrerlei Hinsicht ein Juwel: als Meisterwerk gotischer Kunst, als Dokument der Tiroler Landesgeschichte und als frühes Sammlungsinventar des Ferdinandeum. Der älteste, weitgehend vollständig erhaltene Flügelaltar des Alpenraums stammt aus der Oberkapelle von Schloss Tirol bei Meran. Er zeigt auf der sogenannten „Sonntagsseite“ Szenen des Marienlebens. An den Flügelaußenseiten dargestellte Wappen und Stifterfiguren – die habsburgischen Herzöge Leopold III. und Albrecht III. – weisen auf seine Entstehung im Zusammenhang mit einem konkreten politischen Ereignis hin: der Anbindung Tirols an das Haus Habsburg.

1948 publizierte Vinzenz Oberhammer, damaliger Kustos am Tiroler Landesmuseum, die bislang einzige umfassende Monografie zu dieser Preziose. Auch in den darauffolgenden 70 Jahren gab das Retabel Anlass zu reger Forschung. So sind seine liturgische und politische Funktion, das Bildprogramm und die wechselvolle Geschichte seiner Provenienz heute weitgehend bekannt. Doch ist der Schrein tatsächlich aus Buchenholz? Verbergen sich unter der Bildoberfläche Vorzeichnungen? Welche Eingriffe wurden an dem hochkarätigen Bildwerk seit seiner Entstehung in den Jahren 1370/72 vorgenommen und wie ist sein gegenwärtiger Zustand zu beurteilen? Die Tiroler Landesmuseen initiierten im April 2016 ein Forschungsprojekt mit dem Anspruch, ausgehend von modernen kunsttechnologischen Untersuchungsmethoden neue Erkenntnisse zu gewinnen sowie die interne und externe Zusammenarbeit unter ExpertInnen anzuregen. Ziel ist es zudem, ein zukunftsweisendes Konzept für die Konservierung und Restaurierung dieses hochkarätigen Kunstwerks zu entwickeln.

Während der Laufzeit des Projekts bis 2020 wird der Altar von Schloss Tirol in einem eigens gestalteten Raum in der Dauerausstellung des Ferdinandeum zu sehen sein. Seine Präsentation im Kontext des offenen, interdisziplinären Prozesses vermittelt, dass Museen auch Orte der lebendigen Forschung sind. Die Ergebnisse werden sowohl im Ausstellungsraum Spuren hinterlassen, als auch in einer umfassenden Publikation münden. Im Sinne der partizipativen Öffnung der Museen wird dieser Blog laufend über den Fortschritt des Projekts und damit über den physischen Ort des Museums hinaus berichten.

Projektleitung:
PD Dr. Wolfgang Meighörner
w.meighoerner@tiroler-landesmuseen.at
T +43 512 594 89-100

Mag. Claudia Mark
c.mark@tiroler-landesmuseen.at
T +43 512 594 89-115

Kunsttechnologische Untersuchung:
Dipl. Rest. Laura Resenberg
l.resenberg@tiroler-landesmuseen.at
T +43 512 594 89-136